Lebendig und flexibel – WorkSpaces für die Führungsarbeit der Zukunft
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Die Kunst des Fortschritts besteht darin, inmitten des Wechsels Ordnung zu wahren, inmitten der Ordnung den Wechsel aufrecht zu erhalten. (Alfred North Whitehead)

Ein kurzes Gedankenspiel: Ersetzen wir „Fortschritt“ durch „Führung“. Erstaunlich wie genau der Satz nun eine der Hauptanforderungen aktueller und zukünftiger Führungsarbeit in und außerhalb des genossenschaftlichen Zusammenhangs beschreibt. Das „Ordnen“ der vielen zunehmend dynamischen Unternehmensszenarien obliegt nach wie vor in weiten Teilen den Führungskräften. Gleichzeitig sind Führende in der VUCA-Welt darauf angewiesen, sich nicht auf einer erreichten Ordnung auszuruhen, sondern diese vielmehr ständig zu hinterfragen, um die benötigten „Wechsel“ für die Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens einzuleiten. Es dürfte folglich durchaus legitim sein, innerhalb eines weiteren Gedankenspiels zwei Schlüsse zu ziehen:

  1. Führung ist ein zentraler Aspekt des Unternehmensfortschrittes
  2. Führung ist – im genannten Kontext – im Grunde eine „Kunst“

Tatsächlich spiegeln sich diese beiden Aussagen auch abseits des einleitenden Zitats in zahlreichen Studien, der Forschungsliteratur, Praxisberichten und Expertenmeinungen wider. Trotz einiger Tendenzen des New Work, die die Funktion der Führungskraft in spezifischen Umfeldern teilweise in Frage stellen, dominiert doch die Einsicht, dass Führung im Sinne von Leadership nach wie vor eine essentielle Bedeutung für Unternehmen hat. Die sensible Begleiterscheinung dabei ist allerdings der Wandel, der sowohl von außen (Kundenansprüche on demand, komplex-dynamische Märkte, umfassende Technisierung) als auch von innen (neue Mitarbeitergenerationen mit anderen Mindsets und Partizipationsansprüchen, gewachsenes Selbstbewusstsein der Fachkräfte, agilere Strukturen) an die Führungsrolle herangetragen wird. Damit geht einher, dass althergebrachtes Top-Down mit all seinen Implikationen eindeutig an seine Grenzen stößt und Führung ein hochanspruchsvolles Konstrukt, eine „Kunst“ geworden ist, für erfahrene Führende und Nachwuchsführungskräfte gleichermaßen. Vor diesem Hintergrund stellt sich unwillkürlich die Frage, was neue Führungsmodelle vor allem auszeichnet?
 

Keine festgefahrenen Muster – warum Führung beweglich und kreativ sein sollte

Die zentralen Rollenanforderungen und Wirkungsfelder des Leadership können wie folgt identifiziert werden: Führungskräfte sollten mitgestalten, zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie Prozesse und Strukturen. Sie sind Vernetzer und Innovatoren, tragen nachweislich zur Motivation und dem Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter bei, sorgen für deren persönliche Weiterentwicklung im Job, sind Ansprechpartner, Vermittler, Coach, Multiplikatoren und Vertreter ihrer Abteilung nach außen. Ergänzt werden diese Merkmale durch Marktbeobachtungen, betriebswirtschaftliches Denken und Handeln, strategische Weichenstellungen, Übersetzen von Visionen und Zielen sowie Interaktion mit weiteren Geschäftsebenen – eine Aufgabenfülle, die nicht nur ein Höchstmaß an spezifischem Know-how sondern auch ausgeprägte soziale und emotionale Intelligenz verlangt. Wie jede Kunst muss jedoch auch Führung gepflegt und weiterentwickelt werden, durch Praxiserfahrung im täglichen Tun einerseits, aber auch durch Weiterqualifizierung, permanente (Selbst-) Reflexion und Austausch auf geeigneten Plattformen und Communitys. Nur auf diese Weise bleibt Führung anpassungsfähig und erstarrt nicht in festgefahrenen Mustern. Genau an dieser Stelle treten lebendige Führungsarbeit und professionelle Weiterbildungsformate in Relation zueinander, wobei die gestiegenen Ansprüche an Führung im Optimalfall ihr Äquivalent in den Formaten der Bildungslandschaft widergespiegelt finden. Dabei sollte Weiterbildung Folgendes berücksichtigen:

  • Eine überdurchschnittlich hohe Qualität der vermittelten Inhalte
  • Die passgenaue Auswahl der Methoden und Durchführungsarten
  • Konkreter Bezug zur Praxis der Führungskräfte mit entsprechendem Raum für den Austausch und die Interaktion
  • Die Flexibilität, auf spontan entstehende Bedürfnisse einzugehen und in einem kreativen Workspace quasi die individuellen On-Demand-Lösungen zu erarbeiten

Besonders der letztgenannte Punkt bietet die Voraussetzung, Führungskräfte wirklich da abzuholen, wo sie im Moment stehen, mit all ihren Erfahrungen, ihrem Empfinden der Führungsrolle, ihrem persönlichen Stil, aber auch ihren Zielen und Herausforderungen. Seine Umsetzung in ein Qualifizierungsformat benötigt jedoch zusätzlich zu den bereits genannten Kriterien weitere Ansätze. Diese integrieren zum einen Elemente des Coachings und der Beratung, indem bereits die Präsenz begleitet wird und anschließend Partner für den Transfer in den Arbeitsalltag bereitstehen. Zum anderen orientieren sie sich an zeitgemäßen Tools beispielsweise aus dem Bereich der agilen Frameworks und vermeiden so einen zu unbeweglichen Rahmen für die Trainingstage. Ein weiterer Bestandteil im Sinne ganzheitlichen Vorgehens liegt darüber hinaus in Aspekten der mentalen Fitness um den kontinuierlich steigenden Leistungsdruck auszubalancieren und last but not least: den Fragestellungen. Als Echo bereits bekannter Anforderungen erleichtern Initialfragen den Einstieg in die Materie und das aktive Miteinander-Arbeiten. Gleichzeitig sensibilisieren sie für eventuelle Probleme und regen zum Durchdenken, aber auch zum Diskutieren an. Wie ist es beispielsweise möglich, das Teamzusammenspiel konstruktiver und vernetzter zu gestalten, wenn im Status quo noch das Silodenken vorherrscht? Beinahe sofort setzen Assoziationen ein, verbinden sich mit persönlichen Erfahrungen und bilden Ideenansätze – der perfekte Ausgangspunkt für eine echte und anwendbare Lösungsstrategie.
 

Von der Werkstatt zum WorkSpace – Qualifizierung für den Fortschritt

Eine Weiterbildungsart, die sich gut eignet, um die Essenz all dieser Überlegungen in der Realität abzubilden, stellt neben dem Baukastensystem nach wie vor das Werkstatt-Format dar. Zwar ist es bereits in der Bildungslandschaft etabliert, bietet aber dennoch aufgrund seiner Intention und seiner Struktur spannende Optionen und hat – entsprechend umgesetzt – durchaus Innovationspotenzial, denn im geschützten Raum der Werkstatt findet kreatives Um-Die-Ecke-Denken ebenso seine Berechtigung wie die Bearbeitung von konkreten Fallbeispielen und faktische Wissensvermittlung. Kombiniert mit didaktischer Qualität, einer inspirierenden Location sowie Trainern, die aufgrund ihrer Expertise die Kompetenzen eines Referenten, Coaches und Beraters mit fundierter Erfahrung in der Führungsarbeit verbinden, entsteht ein Qualifizierungskonzept, das sehr gut geeignet ist, um Führungskräfte bei den zahlreichen Transformationsprozessen im genossenschaftlichen Kontext professionell zu unterstützen. Aktuell ist in einer Kooperation der GenoConsult Baden-Württemberg mit der BWGV-Akademie die erste Umsetzung eines entsprechenden „WorkSpace“-Formates an den Start gegangen – für lebendige Führungsarbeit im Sinne fortschrittlicher Entwicklung.