Impulse aus dem Management Dialog 2018
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Führung 4.0 – oder: Warum es Sinn macht, die DNA von Unternehmen zu verändern, die neuen Statussymbole Follower sind und trotz Visionen und Missionen Entspannung auch nicht das Schlechteste ist.
 

Einen Dialog zu führen bedeutet vor allem eines: sich auszutauschen. Er ist als Format also sehr passend, will man über die fortschreitende Digitalisierung sprechen, denn ist nicht das „Teilen“, „Vernetzt-Sein“ und  „Kommentieren“ der eigentliche Kern unserer Lebenswelt 4.0?

Die intensiven Gespräche, die sich beim Management Dialog 2018 nach den Impulsvorträgen der Experten Prof. Dr. Gerald Lembke, Prof. Dr. Sabine Remdisch, Stephan Grabmeier und Alexander Boldyreff ergaben, zeigten, dass die Digitalisierung gerade für Führungskräfte Chancen, aber auch Herausforderungen beinhaltet, die neuer Blickwinkel bedürfen.

Letztere eröffnete Prof. Dr. Sabine Remdisch in Ihrem Vortrag „die Führung von morgen: mehr als digital“ in vielerlei Hinsicht. Als Gastwissenschaftlerin in Stanford und Unternehmensberaterin hat sie immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es gilt, eine Organisationskultur zu schaffen, die sich von alten Hierarchien und Statussymbolen verabschiedet und stattdessen Netzwerkkompetenz aufbaut. „Follower sind das neue Statussymbol“, wie Prof. Dr. Remdisch anmerkt, und dieses kann nur erreicht werden, wenn zuallererst die eigenen Mitarbeiter zu Followern werden, indem die Führungskräfte „mitmachen“, „agil“ werden, Informationen teilen, Vorreiter bei den neuen Technologien sind und selbst aktiv digital transformieren.


Wie die Transformation gelingt
Das Stichwort „Transformation“ war auch für Stephan Grabmeier, den Chief Innovation Evangelist der Haufe Gruppe und einen der „40 führenden Köpfe im Personalwesen“, der zentrale Ansatzpunkt in seinem Vortrag „Demokratisch.agil.digital: wie das Upgrade in ein neues organisationales Betriebssystem gelingt“. Für ihn ist eindeutig, dass „eine komplexe Welt komplexe Systeme verlangt, die vom Kern her organisiert werden müssen“. Diesen Kern setzt er analog zu der „DNA“ des Unternehmens. Wird sie nicht grundlegend verändert, gelingt ein Transformationsprozess nicht. Wie aber bewerkstelligt man diese Veränderung? Stephan Grabmeier befürwortet einen mittleren Weg, der gängige Top-Down-Prozesse dort belässt, wo sie sinnvoll sind, aber zugleich Agilität etabliert: den Austausch zwischen allen Unternehmensbereichen, ein Lösen aus altem Silo-Denken, eine neue Feedbackkultur sowie nicht zuletzt die Erkenntnis, dass die Mitarbeiter die Strategie des Unternehmens sind und diese auch leben sollten. Letztendlich ist die Mischung aus beiden Ansätzen entscheidend.

Sobald diese gefunden ist, benötigen Innovationen jedoch vor allem eines: Vertrauen – und zwar sowohl der Mitarbeiter in die Führung als auch andersherum. Der „Klick im Kopf“ und damit auch die Digitalisierung beginnt eben „ganz oben“ wie Alexander Boldyreff in seinem Vortrag gleichen Titels zu bedenken gibt. Als Vorstandsvorsitzender der TeamBank AG in Nürnberg setzt er sich vehement dafür ein, dass Digitalisierung alternativlos ist, zumal die „genossenschaftliche DNA einen hervorragenden Nährboden“ für die digitale Transformation darstellt. Gelingt es, überzeugende Visionen entstehen zu lassen und daraus wiederum technisch realisierbare Missionen abzuleiten, wird dies nicht nur Kunden begeistern, sondern auch die Mitarbeiter dafür gewinnen. „Neugierig bleiben“, ein Wir-Gefühl entwickeln, echtes Empowerment betreiben und sich insbesondere als Führungskraft ebenfalls als Teil des Ganzen begreifen sind zentrale Triebfedern, um sich beständig erfolgreich zu wandeln.


Das "Mindset" neu gestalten
Ausschalten sollten Unternehmen in ihrer Weiterentwicklung Richtung Digitalisierung allerdings die „ständige Angst, etwas zu verpassen“. Sie baut einen immensen Druck auf, der einen durchdachten und kreativ-entspannten Umgang mit der digitalen Transformation unmöglich macht. Prof. Dr. Gerald Lembke, digitaler Pionier der ersten Stunde in Deutschland und Professor für digitale Medien und Medienmanagement an der Dualen Hochschule in Mannheim, weiß nur zu gut, warum er vor allem davor warnt. In seinem Vortrag zum Thema „Arbeiten 4.0“ gibt er zu bedenken, dass viele Firmen versuchen, intern noch nicht vorhandenes Fachwissen dadurch zu gewinnen, dass die Anwenderkenntnisse der Digital Natives genutzt werden, um sich möglichst schnell digitalisieren zu lassen. Hierin liegen zwei Denkfehler. Zum einen erstreckt sich die Digitalisierung der Nutzer / Kunden momentan zu fast 90% auf Informations- und Unterhaltungsmedien, die in erster Linie über das Smartphone konsumiert werden. Die vorherrschende Digitalisierung ist folglich vor allem eine „mobile Revolution“. Zum anderen bringen die Digital Natives zwar durchaus fundierte technische Kenntnisse und Ideen mit, jedoch nützt dies ohne geschäftliches Wissen und die organisatorischen Voraussetzungen nichts. Auch hier gilt folglich, dass es Sinn macht, sich Zeit zu nehmen, um das gesamte „Mindset“ neu zu gestalten. Führung kann ganz entspannt kreativ werden, indem sie Experimentieren zulässt, neue Workshopformate (z.B. Hackdays) ausprobiert und das informativ-kulturelle Miteinander durch Podcasts, Webinare und Mitarbeiter-Blogs unterstützt.
 

Fazit des Management Dialogs 2018 ist also die Überzeugung, dass die digitale Transformation in Zukunft unser Leben bestimmen wird – geschäftlich wie privat. Die Weichen für eine gesunde und erfolgreiche Digitalisierung werden jedoch schon heute von den Unternehmen gestellt. Sie hängen zu einem maßgeblichen Teil von dem Verhalten, der Vorbildfunktion, dem Weitblick und der Gelassenheit der Führungskräfte ab. Die Aufgabe lautet: Keine oberflächliche Digitalisierung um jeden Preis, sondern eine wirkliche Veränderung von innen, ganz analog mit Augenmaß.