Branchen-Know-how Automotive - Stimmt die Bilanz?
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Branchen-Know-how Automotive - Stimmt die Bilanz?
Manipulationen in Automobilbetrieben!

Interview mit dem Referenten Dr. Jan H. Gröpper, IFU-Institut Unternehmensberatung
 

1. Wie fanden Sie zur BWGV-Akademie?

Bereits um das Jahr 2000 deuteten sich im inländischen Automobilhandel mit seinen damals über 15.000 Markenhändlern erste Konzentrationsprozesse an - mit absehbaren Folgen für die betreuenden Hausbanken. Die Engagements wurden risikobehafteter und gerieten zunehmend unter Liquiditätsdruck, auch und besonders im Süden der Republik. Um hier zeitnah eine geeignete Informationsplattform für Bankmitarbeiter anbieten zu können, boten wir erste Seminare in Stuttgart und Karlsruhe an.
 

2. Das Sprichwort sagt: „Traue keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast“. Können Bilanzen überhaupt objektiv sein oder müssen sie generell interpretiert werden?

Meines Erachtens können Bilanzen nur einen Teilaspekt der jeweiligen Situation darstellen und dies auch nur mit gewissen Einschränkungen. Wichtige Fragen wie die nach der Betreibereignung und aktuellen Einflüssen aus dem Umfeld der Branche bleiben unberücksichtigt. Lassen Sie es mich etwas provokant ausdrücken: Was interessiert mich die Körpertemperatur vom 31.12.?
 

3. Ist die Automobilbranche besonders anfällig für Manipulationen?

Ja. Und zwar auf Seiten der Händler, der Mitarbeiter und auch von Seiten der Hersteller. Denken Sie nur an den aktuellen Dieselskandal. In den Betrieben sind die Vertriebsabteilungen besonders gefährdet, wenn Verkaufsberater beispielsweise attraktive Geschäfte auf sich privat ziehen.


4. Welche Kompetenzen sind für eine Beurteilung von Bilanzen notwendig und wie weit sind diese Kompetenzen verbreitet?

Mittels einer Auswertung der Jahresabschlüsse kann nur ein Teil der "Wahrheit" dargestellt werden. Hier müssen Benchmarks herangezogen werden, die in der Automobilbranche glücklicherweise vorliegen. Aber auch dann müssen individuelle Gegebenheiten berücksichtigt werden, um die Vergleichbarkeit mit diesen Benchmarks herzustellen - so zum Beispiel bei Vermittlern und bei Betriebsaufspaltungen. Andernfalls sind Fehleinschätzungen vorprogrammiert. Übrigens: Bitte gehen Sie nicht davon aus, dass alle Wirtschaftsprüfer in der Lage sind, den Fahrzeugbestand und die Leasingrückläufer treffsicher bewerten zu können - auch nicht bei Vorlage testierterter Bilanzen.
 

5. Welcher Fall von Bilanzmanipulation (selbstverständlich anonymisiert) ist Ihnen besonders in Erinnerung?

Nach nunmehr über 350 betreuten Vollmandaten im Automobilhandel fällt die Auswahl tatsächlich nicht ganz leicht (lacht). Ich nenne Ihnen drei Fälle: Bei einem Markenhändler mit deutschem Premiumfabrikat wollte der Wirtschaftsprüfer den großen Verlust (über 1 Mio. €) durch Aktivierung des Vertragshändler-Vertrages kompensieren. In einem zweiten Fall erwirtschaftete ein fusionierter Betrieb mit deutscher Marke im Jahr nach der Fusion aus bislang drei Einzelunternehmen einen Verlust von 2 Mio. € - ohne Anzeichen von Liquiditätsproblemen! Hier war eine Mitarbeiterin aus der Marktfolge aufmerksam und bat uns, den Ursachen auf den Grund zu gehen. In einem dritten Fall beantragte ein Autohausbetreiber einen Investitionskredit und legte schwache Jahresabschlüsse vor, die eine Finanzierung zu riskant erscheinen ließen. Wir deckten hier eine "Bilanzmanipulation" der anderen Sorte auf - es handelte sich um ein ausgesprochen erfolgreiches Unternehmen.

 

Sie möchten mehr erfahren?
Dr. Jan H. Gröpper, Ifu-Institut für Unternehmensberatung, informiert Sie zu Trends und Neuigkeiten aus der Automobil-Branche in unserem Webinar "Branchen-Know-how Automotive - Stimmt die Bilanz? Manipulationen in Automobilbetrieben!" am 07. September 2018!