Digital Learning
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Der digitale Wandel macht auch vor der dualen Berufsausbildung nicht halt. Wir haben Ihnen eine Übersicht über die Trends des neuen Lernens und nützliche Anwendungstipps zusammengestellt:

Unter dem Stichwort Education Technology (EduTech) lässt sich das Prinzip von tweeten, sharen und liken auch in der dualen Ausbildung einsetzen. Der neueste Trend hier sind derzeit Jodels: kurze Texte oder Fotos mit Kommentar, die in einem Umkreis von 10 km für alle Nutzer der App sichtbar sind. Das Netzwerk bewertet die anonymisierten Nachrichten dann positiv oder negativ. Besonders positiv bewertete Posts werden zum „Upvote“-Hit des Tages. Die mobile Social-Media-App des Berliner Startups Jodel erfreut sich immer größerer Beliebtheit besonders an Universitäten. Machen Sie sich dieses Interesse der Digital Natives (Generation Y/Z) und somit auch Ihrer Auszubildenden für die duale Ausbildung zunutze. Und setzen Sie sie im Sinne erfolgreichen Lernens ein: intrinsische Motivation und Gamification sind Ihre Instrumente!

Kreatives Querdenken für motiviertes Lernen im digitalen Zeitalter

Junge Menschen wünschen sich ein motivierendes Lernumfeld. Wer aus einem inneren Anreiz (intrinsisch motiviert) heraus lernt, ist aufnahmefähiger, weil aufnahmewilliger – und somit auch erfolgreicher: Die Lernpsychologie beweist das immer wieder. Hier können Sie ansetzen und das Prinzip an der einen oder anderen Stelle sinnstiftend in Ihren Ausbildungsalltag integrieren.

Ebenfalls zunutze machen lässt sich der Megatrend Gamification. Hierbei geht es die Anwendung spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext. Die Grundidee ist psychologisch simpel. Viele kleine Erfolge und Belohnungen steigern Durchhaltewillen und Anstrengungsbereitschaft. Wir kennen das alle aus Massenphänomenen wie Angry Bird oder Candy Crush – es macht einfach Spaß und man will am Ball bleiben! Fähigkeiten verbessern sich, Ergebnisse lassen sich steigern – ob von Level zu Level oder eben im Rahmen der Anforderungen der dualen Ausbildung.

Best Practice-Beispiele für den Einsatz von Online-Learning-Elementen

Nachfolgend erhalten Sie einige ausgewählte Anregungen für den Einsatz dieser neuen Tools in Ihrem Ausbildungsprogramm...

  • Berichtsheft-App: via Smartphone, Tablet oder auch vom PC über eine Web-Anwendung Berichte schreiben – sogar via Spracherkennung und mit Druckfunktion bzw. elektronischem Versand an den Ausbilder zur Freigabe, inkl. Datenschutz. Damit wird die meist als lästige Pflicht empfundene wöchentliche Ausbildungsdokumentation zur schnell erledigten Kür – kostenlose Grundversion bei iTunes oder im Android Market (PRO-Version einmalig 4,99 EUR)
  • YouTube- Erklärvideos weitergedacht – Prüfungs-TV: über 10.000 Azubis lernen bundesweit mit Prüfungs.TV, dem Marktführer innovativer Lernvideos – der BWGV kooperiert mit Prüfungs.TV und bietet deshalb attraktive Sonderkonditionen für Mitglieder (weitere Infos sowie Testzugang bei: johannes.schulte@pruefungs.tv)
  • WebQuest-Methode: Azubis arbeiten aktiv unter Einsatz ihres Smartphones an der Aneignung von Wissen durch authentische Fragestellungen, die zur Lösungsfindung aus eigenem Interesse motivieren, z.B. mit der Aufgabenstellung „Sparmöglichkeiten und Förderungen für die Zielgruppe Berufsstarter“: Ihre Azubis sind selbst betroffen und deshalb interessierter bei der Suche im Web – genaue Ablaufszenarien und Strukturen zu WebQuest erhalten Sie über die Google-Suchfunktion
  • Wordle: Fachwissenvermittlung via kostenfreier Online-Anwendung über Wortwolken – mittels WebQuest und dem eigenen Smartphone Definitionen erkunden
  • kahoot.it/getkahoot.com: Azubi-Wissen über kostenlose Quizchallenges testen – das Smartphone Ihrer Azubis wird zum Buzzer; als Ausbilder nutzen Sie getkahoot.com, um ein Quiz zu erstellen. z.B. für den nächsten innerbetrieblichen Unterricht, via Beamer und mobilem Browser wählen die Lernenden aus den Antwortmöglichkeiten aus und erhalten Punkte, inkl. Gesamtwertung und Tagessiegerermittlung – Gamification in Reinkultur!
  • Aurasma-App – Augmented Reality: „Pokémon Go“ hat gezeigt, wie die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung funktioniert – und fasziniert. Animierte Charaktere in realer Umgebung üben einen besonderen Reiz aus. Die kostenlose Aurasma-App verknüpft Bilder und Objekte mit Auras, interaktive Elementen, vergleichbar mit 3D-Animationen, Videos oder simplen Links, die mit einem beliebigen Objekt (z.B. einem Unternehmens-Flyer oder -Video) verknüpft werden. Spielerisch versteckte Elemente werden mittels Smartphone-Scan für Erläuterungen genutzt.
  • Actionbound-App – Gamification: Beginnen Sie Ihre Eröffnungswoche mit einer digitalen Schnitzeljagd im Freien oder durch Ihr Unternehmen – der browserbasierte Editor (Bound-Creator), erstellt sogenannte Bounds, die auf der Entdeckungstour mit der App auf dem Smartphone oder Tablet abgespielt werden können.
  • Vice-Versa-Lernen – digitale Projekte: Projektarbeit mit Projektverantwortung sind für Azubis lehrreiche Veranstaltungen, in denen Sie mit ihren Kenntnissen als Digital Natives (in die digitalisierte Welt Hineingeborene und selbstverständlich dort Aufgewachsene) wertgeschätzt und gefordert werden, z.B. im Rahmen der Aufgabe „Digitale Fitness für Digital Immigrants“ – hier bringen Digital Natives sich in die digitalisierte Welt erst einfindenden Personen die Grundbegriffe, Vorzüge und Verhaltensweisen näher. Ob für (ältere) Kollegen, Kunden oder in einem Sozialprojekt z.B. für Senioren: Ihre Azubis profitieren von und bereichern gleichzeitig einen generationenverbindenden Austausch!

 

Fazit: die positiven Seiten des digitalen Lernens sehen und nutzen

Bei aller Digitalisierung beklagen einige den Verlust alter Werte. Ist es aber nicht vielmehr so, dass die jüngere Generation diese Werte nur neu definiert und der unaufhaltsamen Zukunft anpasst? Es bieten sich viele Chancen und diese sollte es zu nutzen gelten. Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte werden sich dabei immer mehr vom klassischen Wissensvermittler wegentwickeln, hin zum Coach und Lernprozessbegleiter auf Augenhöhe. Der Lehrende steht nicht mehr im Zentrum der Wissensvermittlung, sondern der Lernende. Ist das nicht eine schöne Entwicklung? Es lohnt sich, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue (digitale) Wege zu gehen. Bestenfalls danken es Ihnen Ihre Azubis mit einem „Upvote“ für die duale Ausbildung in Ihrem Haus.